Info-Veranstaltung am 11. Juli zum Straßenfest in der Wilhelmsstraße im März 2006

Für den kommenden Mittwoch, 11.07.2007, lädt das Solidaritätskomitee „Wilhelmstrasse“ zu einer Informationsveranstaltung in die Planwirtschaft, ein. Beginn ist um 19.00 Uhr.

Anlass ist die Eröffnung von Verfahren gegen 53 Personen, die am 25.03.2006 an einem Straßenfest, das sich gegen die Schließung und den Abriss des Bluemix-Theaters richtete, teilgenommen hatten.
Nach Beendigung des Straßenfestes hat die Polizei die TeilnehmerInnen brutal angegriffen und 53 Personen in Gewahrsam genommen. Gegen alle wird wegen Landfriedensbruchs ermittelt, in drei Fällen wegen schweren Landfriedensbruchs. Mehreren Betroffenen wurden bereits Strafbefehle über 180 Tagessätze zugestellt, die erste Verhandlung findet am 17.07.2007 statt.

Damals wie heute gilt: Jetzt machen wir Theater!

- Ein Drama in mehreren Akten -

1. Akt: Das Straßenfest

Am frühen Abend des 25.03.2006 fanden sich etliche Personen in der Wilhelmstraße vor dem (ehemaligen) Bluemix-Theater ein. Aus dem Theater hingen Transparente, einige Puppen schmückten die Fenster. Die Aktionsgruppe „Heute machen wir Theater“ hatte zum Protest gegen die Schließung und den Abriss des Bluemix-Theaters aufgerufen.
Vor dem Haus entwickelte sich rasch ein munteres Fest: Sitzgarnituren wurden aufgestellt, ein Anwohner stellte seine Musikboxen in die Fenster, AnwohnerInnen brachten Essen und Getränke, immer mehr Menschen versammelten sich, sprachen, lachten und diskutierten.

2. Akt: Die Polizei fährt auf

Eine Stunde später tauchte die Polizei auf. Von der Baumeister- und der Schützenstraße wurde die Wilhelmstraße abgeriegelt. Kurze Zeit später unterband die Polizei jedes weitere Kommen und Gehen in die Wilhelmstraße.
Wie sich später zeigen sollte, hatte die Polizei mit dieser Maßnahme den späteren „TäterInnenkreis“ bestimmt.

3. Akt: Aufbruch

Weitere 30 Minuten begannen die TeilnehmerInnen abzubauen und aufzuräumen.
Es wurde zunehmend dunkel und das Fest ging dem Ende entgegen. Nachdem aufgeräumt worden war, ging eine größere Gruppe der TeilnehmerInnen Richtung Baumeisterstraße. Dort stand eine lose Polizeikette. Ohne Ansage wurden die TeilnehmerInnen mit Tränengas und Schlagstockeinsatz angegriffen und am Verlassen der Wilhelmstrasse gehindert. Von der
Schützenstrasse stürmten weitere Polizeikräfte die Wilhelmstrasse herunter und trieben 53 Personen zu einem Kessel zusammen.
Um eine weitere Eskalation zu verhindern, setzten sich die Gekesselten auf den Boden und hakten sich untereinander ein. Zum Zweck der Personalienfeststellung und anschließenden Ingewahrsamnahme versuchten Polizeikräfte, einzelne aus den Sitzreihen herauszuziehen. Da dies nicht gelang, schlugen einige Beamte derart brutal auf Sitzende sein, das Blut
spritzte.

4. Akt: Abfahrt

Die entfesselte Polizeigewalt und die Absicht, weitere Verletzte vermeiden zu wollen, begründeten dann die Entscheidung der Gekesselten, die Personalien abzugeben. 53 Personen wurden in Gewahrsam genommen und bis zum Morgengrauen festgehalten.

5. Akt: Ermittlungen

Die lokalen Medien hatten das Straßenfest sowie den Polizeieinsatz wahrgenommen. Der lokale Fernsehsender RTV machte gar noch eine Reportage und befragte AnwohnerInnen zum Charakter des Festes. Heraus kam ein Beitrag, der den friedlichen Charakter des Festes nachzeichnete und den Einsatz der Polizei kritisierte.
Hierfür sollten die MacherInnen des Beitrages gerügt werden. Bis heute ist es erstaunlich, dass im RTV-Archiv alle gesendeten Beiträge abzurufen sind, nur eben jener über das Straßenfest am 25.03.2006 nicht mehr.
Schließlich galt es, aus Angegriffenen AngreiferInnen zu machen: Mit einer Lichtbildmappe zogen die Beamten um die Häuser, fragten nach TäterInnen und RädelsführerInnen, da wurden Fingerabdrücke sichergestellt und noch vieles mehr. Eine Konstruktion musste her.

6. Akt: Die Anklage

Die hieß dann: Die Gruppe hätte den gemeinsam Tatplan gefasst, unter Anwendung von Gewalt eine Polizeikette zu durchbrechen.
Mit diesem Inhalt segelte nach über einem Jahr zunächst einem, dann immer mehr der damals Ingewahrsamgenommenen ein Strafbefehl ins Haus: Jeweils satte 180 Tagessätze sollten für den angeklagten Landfriedensbruch fällig werden.
Und es wurde noch skuriler: Während die einen Strafbefehle zugestellt bekamen, erhielten andere die Mitteilung vom Amtsgericht, dass das Verfahren gegen Sie wegen Landfriedensbruchs eingestellt worden sei.
Die einen legten folglich Widerspruch gegen die Strafbefehle ein und warteten auf Zustellung eines Verhandlungstermins. Gleiches tat die Staatsanwaltschaft und legte Ihrerseits Beschwerde gegen die Einstellungen ein. Das Landgericht nahm die Beschwerde an und gab das Verfahren ans Amtsgericht zurück, so dass auch die vormals eingestellten Verfahren
verhandelt werden.
Eine Gewalt des Systems soll die Gewalt der anderen Gewalt legalisieren!

7. Akt: ZuschauerInnen werden Teil des Stücks

Die erste Verhandlung findet am 17.07.2007 statt. Die weiteren Akte könnt Ihr selbst mitschreiben…

Noch mehr Theater gegen Polizeigewalt!

Solidaritätskomitee „Wilhelmstrasse“


1 Antwort auf “Info-Veranstaltung am 11. Juli zum Straßenfest in der Wilhelmsstraße im März 2006”


  1. 1 Linke Politik verteidigen | Autonome Antifa Karlsruhe Pingback am 10. Juli 2007 um 10:37 Uhr
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